Durch die Blume gesagt – Wie nachhaltig und fair sind Schnittblumen wirklich?!

Das Osterfest rückt in greifbare Nähe und der Frühling klopft leise an unsere Haustüren. Höchste Zeit für etwas Grünes in der Wohnung. Zumindest ist das zur Zeit mein Gefühl, die Fenster sind vom groben Schmutz befreit (man möchte ja auch mal wieder die Sonne sehen), die Wollmäuse sind auch in den Ecken und unter dem Sofa entfernt und auch die letzten Sterne habe ihren Weg in die Weihnachtskiste gefunden. Ich habe Platz gemacht für den Frühling und die ersten Frühlingboten, herrliche gelbe gefüllte Tulpen auf der Fensterbank.

Jetzt könnte die Welt doch in Ordnung sein und ich meine Tulpen voll und ganz genießen, aber so einfach ist es wie immer nicht! Bei mir kreisen sofort hundert Gedanken im Kopf. Wo kommen denn jetzt die Blumen her, klar Holland oder? Wie werden denn die Blumen angebaut und wieviel Wasser wird dafür verbraucht bzw. wie sieht es mit der CO2-Bilanz aus? Wenn ich ehrlich bin, habe ich eine schockierende Zahl dazu in der Schrot und Korn gelesen. Schaut mal hier!

In dem kurzen Überblick zu den Rosen ist von 375 volle Badewannen für einen Hektar konventionelle Rose die Rede. Das ist schon wieder so eine unglaubliche Zahl. Um sich das besser in unserem täglichen Alltag vorzustellen, kann man diese Zahl auf 1 Badewanne (150l) pro Rosenstrauß (15Stk.) runterbrechen. Es steckt also eine Badewanne voll Wasser in meinem Rosenstrauß auf dem Esstisch, der mit Glück eine Woche hält. Ich spreche von konventionellen Rosen, die zum größten Teil aus Ostafrika, vor allem aus Kenia stammen.  Das bedeutet lange Transportwege der Schnittblumen und eine durchgehende Kühlung der Blumen, damit sie wenigstens einigermaßen frisch zu uns kommen. Aber wirklich frische Blumen sind es doch wirklich nicht mehr. Dazu kommt der immense Verbrauch an Wasser in einem Land wie Kenia, wo ein Zugang zu sauberen Trinkwasser für die Bevölkerung nicht selbstverständlich ist. Gerade durch die Schnittblumenproduktion wird dieses Problem noch verschärft. Es werden so große Wassermengen aus Flüssen entnommen, die sich auf natürliche Weise nicht wieder regulieren können. Natürlich werden bei der Blumenproduktion auch Pestizide eingesetzt, die dem Ökosystem und natürlich auch den Arbeitern zusetzen. Apropos Arbeiter, sie werden natürlich in der konventionellen Produktion nicht fair bezahlt, deshalb sind Fair Trade Rosen in jedem Fall eine Alternative.

Na gut, jetzt habe ich am Anfang ja über Tulpen gesprochen. Genau! Ich stelle mir bei Tulpen immer große und bunte Freilandflächen voller Blumen in Holland vor. Tja, leider kommen aber die meisten Tulpen wieder aus Afrika, auch Lateinamerika und auf dem Vormarsch in der Schnittblumenproduktion ist China. In China wurden 2010 schon 42000 ha Blumen angebaut, Tendenz natürlich steigend. Im Vergleich dazu sind es in Holland nur 7500 ha für den gesamten Blumenanbau. Ganz schon verwirrend.

Seit ich den Artikel in der Schrot und Korn gelesen habe, habe ich versucht weitestgehend auf frische Schnittblumen zu verzichten. Im Sommer ist das natürlich kein Problem, da der Garten in seinen schönsten Farben und Blüten schillert. Bei uns auf dem Lande gibt es dann noch viele Blumenfelder zum selber schneiden, was auch eine gute Alternative darstellt. Im Winter ist es mir aber sehr schwer gefallen. Ich habe das mal bei meiner Freundin fallen gelassen und sie sagte mir, bei uns auf dem Wochenmarkt gibt es einen Blumenstand, der selber Tulpen anbaut, hier bei uns im Gewächshaus. Ich habe sie mit großen Augen angeguckt und bin Samstag auf dem Wochenmarkt gestiefelt und tatsächlich. Die nette Verkäuferin hat mir bestätigt, dass ein Teil der Blumen aus eigener Produktion stammt und ein Teil aus der Region um Hamburg. Alle in Deutschland angebaut, perfekt! Jetzt kann ich ohne schlechtes Gewissen meine Tulpen genießen oder auf immergrüne Zimmerpflanzen umsteigen.

Meine FoodForscher Tipps beim Blumenkauf;

  • Achtet beim Schnittblumenkauf auf das Fairtrade Siegel oder auf das Biosiegel wie Bioland oder Demeter
  • Holt euch im Sommer den Garten ins Haus oder bringt euch einen kleinen Wiesenstrauß vom Spaziergang mit
  • Nutzt das Angebot der Bauern oder Höfe zum selber Blumen schneiden
  • Fragt auf dem Wochenmarkt nach regionalen Blumen beim Händler
  • Kauft immergrüne Zimmerpflanzen, die bei ein bisschen guter Pflege ewig halten

Meine Tulpen sind bald verblüht, aber sie haben fast 2 Wochen gehalten. Das ist definitiv länger als die Supermarktblumen. Ich hoffe ihr blickt noch durch im Blumendschungel…Was sind denn eure liebsten Frühlingsboten? Erzählt doch mal!

Eure Meike

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